13.-15.August | Weltcup-Turnier in Malmö

Im schwedischen Malmö fand am vergangenen Wochenende die 10. von insgesamt 12. Weltcup-Prüfungen statt und die Beteiligung war in diesem Jahr erfreulicherweise höher als gewohnt. Neben Clayton Fredericks/AUS sorgten dabei vor allen Dingen die deutschen Reiter dafür, dass die Veranstalter auf ein Weltklasse-Starterfeld stolz sein konnten.

Mit Simone Deitermann/Free Easy NRW, Andreas Dibowski/FRH Fantasia, Kai-Steffen Meier/Karascada M, Frank Ostholt/Mr Medicott und Kai Rüder/Leprince des Bois waren auch fünf Paare am Start, die sich auf der aktuellen "Longlist" für die Weltreiterspiele im September wieder finden. Ein Blick auf deren Ergebnisse ist für "Vielseitigkeits-Fans" aus Deutschland im Moment natürlich am interessantesten, denn in zwei Wochen steht mit den Deutschen Meisterschaften in Schenefeld die letzte und entscheidende Sichtung auf dem Programm.

Vorher aber noch "ein Wort" zur diesjährigen Geländestrecke in Malmö: Die Ergebnisliste des CIC***-W liest sich in Bezug auf die Ausfälle nicht ganz so erfreulich, von 49 Startern sahen nur 29 das Ziel der letzten Teilprüfung. In Zusammenhang mit der Geländeprüfung beendeten 16 Paare die Prüfung vorzeitig. Die Geländetrecke wurde in diesem Jahr zum ersten Mal von Giuseppe Della Chiesa/ITAL gestaltet und es lag erst einmal auf der Hand anzunehmen, dass die Aufgabenstellungen "überzogen" waren und auch ich dachte am Samstagabend in diese Richtung. Auf mein Nachfragen hat aber keiner der befragten Reiter und auch nicht Bundestrainer Hans Melzer von einem etwa unfairen Geländekurs gesprochen. Im Gegenteil wurde darauf hingewiesen, dass Malmö bisher im Ruf stand eine etwas "eckige" Geländestrecke zu bieten, in diesem Jahr die Anforderungen deutlich höher waren aber auch sehr gut zu reiten.

Nun zu den deutschen Teilnehmern:

Simone Deitermann kam beim CICO*** in Aachen nicht ins Ziel der Geländetrecke, gehört aber - besonders wegen der konstant guten Dresur-Ergebnisse und dem sehr guten Auftritt beim CCI**** in Badminton - berechtigterweise nach wie vor zu den Kandidaten für die Weltreiterspiele. Da man das Ausscheiden in Aachen sicherlich der Katergorie "unglücklich gelaufen" zuordnen kann, galt es für Simone in Malmö besonders wieder einen guten Eindruck im Gelände zu hinterlassen. Das gelang der Reiterin und ihrem Free Easy NRW ganz ausgezeichnet, am Ende konnten sich die Beiden sogar über Platz 2 hinter dem neuen schwedischen Meister, Niklas Lindbäck/Mr Pooh, freuen.

Andreas Dibowski ist in der glücklichen Lage zur Zeit über zwei Weltklasse-Pferde zu verfügen, kann seine Starts also ein wenig verteilen. Mit seiner Stute FRH Fantasia konnte er sich in aller Ruhe dem Sammeln von Weltcup-Punkten widmen, denn mit dem 2. Platz beim CIC*** in Jardy/FRA und dem 3. Platz beim CCI**** in Luhmühlen hat die Stute gezeigt, dass sie mühelos für Top-Kandidat Euroridings Butts Leon einspringen könnte, wenn dieser doch im letzten Moment noch für die WM ausfallen sollte - was aber bisher nicht im Geringsten zu befürchten ist. Mit Platz 4 sind DIBO und Fantasia nun bestens eingestimmt um es in Schenefeld den Mitbewerbern um die Deutsche Meisterschaft schwer zu machen.

Kai-Steffen Meier konnte in Aachen wegen einer leichten Verletzung von TSF Karascada M nicht in das abschließende Gelände starten, vorangegangen war eine eher unerfreuliche Dressur, denn die sensible Stute konnte sich in dem imposanten Dressurstadion nicht im geringsten auf ihre Aufgabe konzentrieren. Dafür ist die kleine Trakehner-Dame aber in Gelände und Springen eine sichere Bank und meistert ihre Aufgabe mit offensichtlicher Leichtigkeit. So auch in Malmö, wo es Dank einer diesmal ordentlichen Dressur zum 7. Platz reichte, der zweiten Weltcup-Platzierung für Kai-Steffen in diesem Jahr. Gerade deshalb, weil er als sicherer Ankommer zählt und auch bei schwierigem Gelände und Springen in der Lage ist sein Dressurergebnis nach Hause zu bringen, zählt er weiterhin zu den Kandidaten für Kentucky.

Frank Ostholt musste sein Olympiapferd Mr Medicott im letzten Jahr pausieren lassen, eine entstehende Verletzung konnte zum Glück im absoluten Anfangsstadium erkannt werden und ist völlig auskuriert. Er hat sich mit Cave, so der Stallname von Mr Medicott, eindrucksvoll zurück gemeldet und gewann zum Saisoneinstieg das CCI*** in Saumur. In Aachen waren die Dressur und das Springen noch etwas entfernt davon, was Mr Medicott leisten kann, deshalb eine "Runde" im Viereck bei Wellkampfbedingungen in Malmö. Zum Gelände ist Frank in Absprache mit den Bundestrainern nicht angetreten, hier muss Mr Medicott keine Beweise mehr abliefern. Ein guter Auftritt in allen drei Disziplinen bei der DM in Schenefeld steht nun auf dem Plan für Frank und Cave, um möglichst die Reise nach Kentucky antreten zu können.

Kai Rüder hatte zuletzt im Gelände des CICO*** mit Leprince des Bois nicht seinen glücklichsten Tag und kam völlig unerwartet nicht ins Ziel. Beim CCI**** in Badminton (Mai 2010) lagen die Beiden in Führung nach der Dressur, in Kombination mit den sonst guten Geländeleistungen, wäre das Paar also bestens geeignet für einen Start bei der WM. Wäre da nicht der ärgerliche Stopp an der Normandiebank innerhalb der Geländestrecke des CCI**** Badminton passiert und eben der unglückliche "Ausfall" in Aachen. Für Kai Rüder und Leprince des Bois galt es in Malmö einen guten Geländeeindruck und nicht zuletzt für das eigene, gute Gefühl eine harmonische "Runde" zu zeigen. In Bezug auf die Zeit hatte er dabei sozusagen Freistellung von den Bundestrainern und das machte auch Sinn, denn wenn bei Leprince des Bois einmal der große Gang drin ist, "geht's ab" - ein bisschen ruhiger geht eben nicht. Ein Spitzenergebnis scheint in greifbarer Nähe, man darf gespannt sein, wie die Beiden in Schenefeld abschneiden werden. In Malmö platzierte sich Kai Rüder mit Leprince des Bois wegen des ruhigen Geländes an Platz 13, mit Saaten Unions Charly Weld kann er sich über Rang 5 freuen.

In Schenefeld, vom 27. - 29.August, werden alle Paare an den Start gehen, die sich eine mehr oder weniger große Chance auf eine Teilnahme bei den Weltreiterspielen ausrechnen. Aus diesem Grund steht zum heutigen Tag nur eine Teilnehmerin für das CCI**** in Burghley/GBR fest (eine Woche später), und das ist Marina Köhncke mit Calma Schelly, in Malmö wurde sie übrigens 10. Auch Dirk Schrade, der mit Gadget de la Cere einen Start in GB plant, und Anna Warnecke mit Twinkle Bee wollen die Trainer vor den Toren Hamburgs am Start des CIC***-W sehen. Für Dirk heißt das, dass er auf jeden Fall mit seinen beiden Pferden starten wird und danach entscheidet, ob er nach Burghley fährt und bei Anna Warnecke wird wohl in den nächsten Tagen das Ausloten der Chance auf eine Teilnahme mit den Trainern besprochen und darüber entscheiden, ob die Reise nach Schenefeld oder Burghley führt.

Mal angenommen, dass alle potentiellen WM-Paare in Schenefeld erwartungsgemäße Leistungen zeigen und alle Pferde weiterhin gesund bleiben, dann würde es mich sehr überraschen, wenn nicht Ingrid Klimke, Michael Jung, Andreas Dibowksi, Dirk Schrade und Frank Ostholt eine relativ sichere "Fahrkarte" nach Kentucky buchen können. Wobei selbst Frank Ostholt mit Mr Medicott es schwer haben könnte, einen Platz als Mannschaftsreiter zu bekommen. Was also noch offen bleibt ist ein weiterer Startplatz als Einzelreiter und hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Sinn machen. Man nimmt ein Paar mit, das ohne Mannschaftsverantwortung an einem "guten Tag" eine solche Prüfung gewinnen kann. Das sind für mich Simone Deitermann und Kai Rüder. Man gibt einem jungen Paar die Chance ohne befürchten zu müssen, dass es schlechte Bilder erzeugt: Kai-Steffen Meier. Man würdigt die guten Leistungen in Top-Prüfungen von Anna Warnecke und Twinkle Bee und gibt ihr eine weitere Championats-Chance.

Ich bin in diesem Moment mal wieder froh, dass ich keine Entscheidungen treffen muss, freue mich auf ein schönes und spannendes Turnier in Schenefeld und drücke allen Kandidaten die Daumen. Übrigens auch Andreas Ostholt mit Franco Jeas, der nicht in Malmö sondern beim CIC** in Bad Harzburg am Start war und sich mit einer lockeren Runde auf Schenefeld vorbereitet hat und genauso wie die genannten Paare zum Kreise der WM-Kandidaten zählt. Da sein Franco Jeas aber zu den Pferden zählt, die in Zukunft alle Möglichkeiten auf höchstem Niveau haben, könnte ich mir vorstellen, dass man dem Paar bevorzugt noch ein wenig Zeit bis zum ersten Championatseinsatz gibt. Erfreulicherweise wird es 2011 nicht so eng in Bezug auf die Sichtung, denn bei der EM in Luhmühlen dürfen 12 Paare an den Start gehen.

Bericht: Gabriel Kolb - Bilder und Weltcup-Rangliste folgen!

CIC***-ERGEBNISSE => [klick]

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