1980, 1994, 1996 + 2011
Mark Todd machte es zum 4. Mal
Um die Jahreszahlen einzuordnen: Er gewann seinen ersten Badminton-Titel, da war Michael Jung noch nicht einmal geboren und mehr als zehn Jahre nach seinem freiwilligen Ausstieg im Anschluss an die Olympischen Spiele von Athen ist er jetzt wieder ganz oben angekommen.
Heute ritt er den 10jährigen NZB Land Vision als Overnight-Leader in einer Art und Weise über die dreizehn Hindernisse, die einen wahren Champion auszeichnet. Er sah beim Einritt schon so aus, als wüsste er, dass nur er heute gewinnen könne. Der Schimmel, der im letzten Herbst Runner-up in Boekelo war und gestern nur mit dem letzten Tropfen durch das Quarry kam, sich dann noch über den letzten halben Kilometer quälte, hatte sich hervorragend regeneriert. Lediglich 43,6 Minuspunkte standen in der Ergebnisliste.
Er war wirklich ein paar Jahre mit anderen Dingen beschäftigt: Als er später erzählte, dass er Land Vision Kristina Cook quasi "vor der Nase" weggekauft habe, konnte er sich nur an ihren Mädchennamen Kristina Gifford erinnern.
Piggy French / Jakata holten sich mit einer Null-Runde ihren zweiten Platz (45,2 Punkte), den sie schon am Samstag belegt hatten, zurück. Ihnen folgten Mary King / Imperial Cavalier (45,8 - aufgestiegen von Platz 13. nach der Dressur) mit einem ebenfalls fehlerfreien Ritt.
Ein eindeutiges "Ja, aber " gibt es von den deutschen Teilnehmern zu berichten. Marina Köhncke / Calma Schelly (49,8 Punkte - 9.), Kai Rüder / Le Prince des Bois (51,2 - 11.) und Andreas Dibowski / FRH Fantasia (60,1 - 19.) ritten in die Platzierungsränge. Ein nicht alltägliches Ergebnis für unsere Eventer.
Zunächst ging Dibo in den Parcours: Von der gestrigen Schwächephase war nichts mehr zu sehen. Fantasia griff an, war vielleicht sogar etwas stark, aber die Erfahrung des Reiters glich das aus. In die letzte der drei zweifachen Kombinationen (Steil-Oxer) kamen die beiden etwas groß herein und touchierten den Aussprung, die Stange fiel. Am übernächsten -dem letzten- Sprung gab es einen weiteren Fehler. Norddeutsch-kühl meinte er nur: "Manchmal fallen die Stangen einfach."
Direkt danach Le Prince des Bois: Deutlich verbessert zu seinem letzten Auftritt hier, rittig und mit Vermögen am Sprung. Vom ersten bis zum achten Hindernis gibt es nur Gutes zu berichten, Sprung 9 geriet etwas dicht, an 10 etwas groß - aber alles kein Problem. Über die Kombination, die Dibo zum Verhängnis wurde, ein weiterer Steilsprung und am letzten vielleicht mit etwas viel Tendenz nach vorne - und die Stange rollte aus der Auflage heraus.
Marina Köhncke ritt Calma Schelly so souverän, als wäre es ein Stilspringen. Kein Augenblick, der die Zuschauer unruhig werden ließ. Auf der letzten Diagonale gab es unterstützende Pfiffe von der Teilnehmertribüne: Die Sekunden liefen ihr etwas davon. Noch vier Sprünge lagen da vor ihr. Die Kombination - kein Problem, der Steilsprung - kein Problem. Nur beim letzten Oxer fiel auch bei ihr eine Stange und zwei Zeitfehler mussten noch hinzuaddiert werden. Hans Melzer dazu: "Das ist kein Desaster. Beim nächsten Mal bleibt die Stange liegen."
Weniger erfolgreich verlief die Springprüfung für Anna Warnecke und Twinkle Bee, die bereits in der ersten Startergruppe am Vormittag unterwegs waren: Drei Hindernisfehler und sieben Strafpunkte für die Zeitüberschreitung summierten sich am Ende auf 82,6 Punkte und Rang 43. "Er kommt vor den Hindernissen immer selber zurück und respektierte die Sprünge heute nicht so richtig." Aber auch bei ihr ist dieses Event schon wieder Geschichte: "Er bekommt jetzt erst einmal Weideurlaub und ich werde mit meinem Praktischen Jahr weiter machen. Mitte Juni beginnt die Vorbereitung für Gatcombe im August und dann gibt es im Herbst noch eine lange Prüfung für uns."
Insgesamt beendeten 56 der 82 gestarteten Teilnehmer diese Prüfung. Nur Sam Griffiths / Happy Times (4. mit 46,3 Punkten), Niklas Lindbäck / Mr. Pooh (5. - 46,7) und Caroline Powell / Lenamore (6. - 47,2) schafften es, ihre Dressurergebnisse ins Ziel zu bringen. Andrew Nicholson (10. mit Avebury und 12. mit Nereo) und William Fox-Pitt (13. mit Cool Mountain und 15. mit Navigator) brachten jeweils zwei Pferde in die Platzierungsränge.
Für diejenigen, die schon für 2012 planen: Vom 3. bis zum 7. Mai wird wieder im Park des Duke of Beaufort geritten.
Badminton, 25.4.2011 - Klaus Kurk (Bild oben)
Marina Köhncke ist zurück in der Weltspitze
Sie war heiser, sie hatte schlecht geschlafen, sie wurde das erste Mal im Cross gestoppt und ist jetzt wieder bei den Besten angekommen: Siebzehn Jahre nach ihrem letzten Badminton-Start ("Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch mal zurück komme.") hat Marina Köhncke die elfjährige Holsteiner Stute Calma Schelly ganz sicher durch den von Hugh Thomas gestalteten Kurs gesteuert. Lediglich 3,2 Zeitfehler katapultierten sie zwischenzeitlich auf die führende Position. Von den sieben Reitern, die ihr diesen Platz noch hätten streitig machen können, ritt aber niemand ohne Fehler in die Zeit. Einzig Mark Todd / NZB Land Vision konnte als letzter Starter trotz seiner Zeitüberschreitung einen ganz kleinen Vorsprung retten und schob Marina Köhncke auf den zweiten Platz.
An der Sunken Lane mussten die Zuschauer ganz kurz innehalten: Calma Schelly schaute sich das Hindernis etwas zu genau an, vergaß fast ihre Vorderbeine und rutschte mit der Vorhand über das erste Element: "Da haben wir Glück gehabt, dass die Landestelle tiefer lag und ich sofort wieder Gas geben konnte. Ich wollte unbedingt die Alternative vermeiden" konnte sie sich noch genau an die Situation erinnern. Danach kam dann auf Grund des Sturzes von Louise Skelton die unfreiwillige Pause. " Nach dem Stopp waren wir am Tisch nicht so gut, nicht flüssig genug." Dann der Wasserkomplex mit einer kleinen Schrecksekunde, da Calma Schelly beim Aufsprung aus dem Wasser ihre Hinterbeine nicht optimal mit bekam. Aber auch das war am Ende nicht wirklich ein Problem. "Sie hat so stark gekämpft" und setzte sich ob der eigenen Anstrengung erst einmal auf den Badminton-Rasen.
"Dieses Jahr geht es anders herum" hatte Kai Rüder nach der Dressur noch verlauten lassen, war er doch in 2010 nach der Dressurführung mit Le Prince des Bois bis auf den 39. Platz "durchgereicht" worden. Nun hat er sich sehr erfolgreich rehabilitiert: Nur 2,4 Zeitfehler addieren sich zu seinem bisherigen Ergebnis und bringen im Zwischenklassement den zwölften Rang ein. "Der Start im letzten Jahr war eine gute Erfahrung" schaute er noch einmal zurück. "Ich habe die Doppelecken [Hindernis 15] bei uns nachgebaut und konnte jetzt ohne Probleme den direkten Weg reiten." Er ließ sogar einen kleinen Einblick in sein Seelenleben zu: "Ich kenne mein Pferd und reite auf Risiko, kann aber auch mal einen Gang zurück schalten" und strahlte dabei über's ganze Gesicht. Und da der Wettstreit noch nicht zu Ende ist: "Als Sportler schaue ich immer auf den ersten Platz, aber hier in die Top-Ten zu reiten, wäre schon gut."
Ganz dicht dahinter auf Platz 14: Andreas Dibowski / FRH Fantasia, die sich zwölf Zusatzsekunden leisteten und jetzt mit 52,1 Punkten übernachten. Dabei sah es zwischendurch gar nicht gut für das Paar aus der Lüneburger Heide aus: "Die ersten sieben Minuten waren richtig gut. Am Wasser habe ich noch mal auf die Uhr geschaut und da waren wir in der Zeit." Da hatte er die erste brenzlige Situation schon überstanden: In der Wendung zum Wassereinsprung rutschte Fantasia aus: "Nach dem Ingrid dort Probleme hatte, habe ich extra noch längere Stollen eingeschraubt." Da es gut gegangen ist meinte er nur: "Man braucht auch einfach mal Glück." Die dann folgenden langen Galoppstrecken zum Huntsmans Close und vor allem danach zum Quarry haben das Pferd mürbe gemacht und hätten den Reiter bei zwei Rumplern fast aus dem Sattel befördert. "Sie hat glücklicherweise viel Qualität am Sprung" konnte sich Dibo erklären, warum es bei seinen beiden Beinahe-Stürzen am Quarry keine bösen Bilder gegeben hat. Auf der letzten Galoppstrecke hat Fantasia wohl die zweite Luft bekommen: Die letzten vier Sprünge meisterte sie in gewohnt-sicherer Manier. Und Dibos Kommentar zum Schluss: "Bis morgen wird sie sich wieder erholen, so kenn ich sie."
Einen Riesensatz nach vorne im Klassement machte das aus deutscher Sicht erfahrenste Paar: Bei ihrem 12. gemeinsamen Vier-Sterne-Start verbesserten sich Anna Warnecke und Twinkle Bee vom 65. auf den 29. Platz. Der verdiente Lohn für eine fehlerfreie Runde mit lediglich elf Sekunden außerhalb der Bestzeit. " Er fühlte sich gleich super an, ich konnte alles so reiten, wie es geplant war."
Ingrid Klimke und Andreas Ostholt haben das Ziel leider nicht gesehen. FRH Butts Abraxxas sprang am Gatter vor dem Huntsmans Close einfach eine Lage zu tief und stürzte. Nach noch nicht bestätigten Informationen erlitt Ingrid Klimke dabei einen Bänderschaden am Knie und wurde zur weiteren Untersuchung ins Krankenhaus gebracht.
Auch für Andreas Ostholt brachte dieses Hindernis eine fatale Wende: Bis dorthin hatte sein Franco Jeas hervorragend gekämpft, vielleicht manchmal sogar etwas zu viel. An diesem Hinderniskomplex ging es aber mit der Kondition zur Neige: Die Aussprung-Kombination, auf In-Out gebaut, meisterte der Wallach mit einem Galoppsprung so grade noch. Die lange Galoppstrecke zum Quarry hat aber auch wohl den Reservetank entleert: Er bremste schon deutlich vor dem geplanten Absprung. Andreas gab auf und führte sein Pferd zum Stall zurück.
Insgesamt muss von zehn Stürzen berichtet werden. Elizabeth Power wurde mit dem Helikopter ins Krankenhaus transportiert. Über ihren aktuellen Gesundheitszustand ist noch nichts bekannt.
Einzig Andrew Nicholson schaffte es, beide Pferde mit dem Dressurergebnis ins Ziel zu reiten. Fünf weitere ReiterInnen kamen ohne Stopp innerhalb der Bestzeit wieder ins Stadion. Von den Top-Ten nach der Dressur sind jetzt noch vier Teilnehmer in diesem Ranking. Nicht weniger als zwölf ReiterInnen trennt weniger als ein Springfehler von einem möglichen Badminton-Titel. Mark Todd könnte seinen vierten Triumpf feiern, für Mary King wäre es der dritte Sieg. Jede/r andere aus dieser Zwölfer-Gruppe würde sich neu in die Historienliste eintragen.
Badminton, 24.4.2011 - Klaus Kurk (Bild oben)

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"Ich hab das Puckern am Stiefel spüren können",
... so Andreas Ostholt über den Herzschlag seines Franco Jeas, als der die Badminton-Fotografen entdeckt hatte. Morgens zwei Mal reiten, vor der Prüfung nicht einmal eine Viertelstunde aufwärmen und direkt vor dem Start die "Gewöhnung" an die schnell-auslösenden Kameras: Optimal auf den Punkt vorbereitet zeigten sich der Warendorfer und sein Partner: Fast neun Punkte verbessert gegenüber Luhmühlen, die beste Bewertung auf 3* und 4*-Niveau - und das hier in Badminton. "Er hat sich schon in der ersten Trabtour sehr gut gezeigt und ich hatte ein richtig gutes Gefühl." Aber eigentlich war die Dressur schon sehr schnell wieder Geschichte und der Blick ging eindeutig auf den Sonntag: "Ich habe vor, überall den direkten Weg zu gehen und hoffe auf eine schnelle Null-Runde."
Etwas ruhiger und nachdenklicher zeigte sich Andreas Dibowski nach seiner Vorstellung mit der Pau-Siegerin FRH Fantasia: "Sie war doch etwas angespannt, etwas erstaunt. Das gab sich zwar etwas beim Einreiten, aber die Tage vorher war sie lockerer." Eine andere Baustelle hat sich aber nicht aufgetan: "Ich hatte wohl gedacht, dass ich Probleme mit den Wechseln bekommen würde, denn die sprang sie in dieser Woche gar nicht mehr." Die drei Richter bewerteten den ausgeglichenen Ritt mit 616 Punkten oder umgerechnet 68,44 %. "Mein Gefühl hat mir schon gesagt, das ich mit so einer Note rechnen musste. Und das Wetter zählt als Ausrede auch nicht."
Die ersten sechs nach der Dressur haben weniger als 40 Punkte (Marina Köhncke - 6. - 39,8), Ruth Edge und der Luhmühlen-Sieger 2008 Two Thyme führen mit 33,3 Punkten das Feld der noch 82 Starter an, würden aber -rein theoretisch- mit einer Verweigerung bis auf Platz 40 "durchgereicht" werden. Dazwischen liegen noch Ingrid Klimke/FRH Butts Abraxxas (10. mit 43,3 Punkten), Andreas Ostholt/Franco Jeas (15. - 44,5), Kai Rüder/Le Prince des Bois (17. - 44,8) und Andreas Dibowski/FRH Fantasia (26. - 47,3). Vor zwei Jahren haben Anna Warnecke/Twinkle Bee ihrem Dressurergebnis von 60 Punkten nichts mehr hinzugefügt und waren am Ende 14. Heute steht der Zähler bei 59,2 Punkten.
Wenn man davon ausgeht, das auch Nicola Wilson und Opposition Buzz mal wieder ihr Dressurergebnis (Platz 12 mit 44,0 Punkten) nach Hause bringen, hätte -aus deutscher Sicht- neben Marina Köhncke nur noch Ingrid Klimke eine Siegchance. Gut, dass morgen alle noch in den Cross müssen.
Badminton, 22.4.2011 - Klaus Kurk / Bilder: Kit Houghton und Klaus Kurk

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Es ist angerichtet
Innerhalb weniger Wochen ist aus dem beschaulichen Park des Duke of Beaufort wieder eine der weltgrößten Reitsportarenen geworden. Die rot-weißen Tribünendächer sind ebenso schon Tradition wie die vielen Helferinnen und Helfer, die ich wieder an denselben Stellen finde, wie in den Jahren zuvor. Auch wie immer: Freundlich, höflich und immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Selbst Mitsubishi als Titelsponsor ist schon seit 1992 dabei. Dieser Ort strahlt eine Art von Magie aus: Alles ist nichts Besonderes. Aber es ist eben Badminton. Im Auto schon wurde ich gefragt, weshalb die Geschwindigkeit mit der kürzer werdenden Reststrecke immer weiter steigen würde. Ich habe es selber nicht einmal gemerkt. Hunderte von Campern bevölkern die Wiese, die sie schon seit Jahrzenten an diesem Wochenende bevölkern. Einzig neu sind die seit einigen Jahren befestigte Auffahrt und die Dixi-WCs.
Das Viereck in der Mitte Platzes ist naturbelassen, lediglich die Mittellinie wurde mit dem Rasenmäher kenntlich gemacht. Über die Aufwuchshöhe des satten Grüns würde sich in heimischen Gefilden wahrscheinlich fast jeder L-Dressur-Reiter aufregen. Die Sitzplätze im Stadion sind mäßig gefüllt. Mehr Menschen drängt es bei den frühsommerlichen Temperaturen in die zahlreichen Ladenstraßen und die Außengastronomie. Sehen und gesehen werden. Oder einfach auch Leben und leben lassen. Eine tolle Atmosphäre. Es ist schön, wieder hier zu sein.
Sport? Richtig, geritten wird hier ja auch. Sogar sehr erfolgreich, wenn der Blick durch die deutsche Brille geht: Marina Köhncke /Calma Schelly mussten nur die Badminton-Debütantin Laura Collett passieren lassen. Ingrid Klimke / FRH Butts Abraxxas auf Rang 4 und Kai Rüder / Le Prince des Bois (5.) komplettieren das erfolgreiche Trio. Anna Warnecke und Twinkle Bee liegen nach dem ersten Tag mit 59,2 Punkten auf Rang 29. Vor Jahresfrist wurde Simone Deitermann in der Endabrechnung auf dem zwölften Platz geführt: Ihr Gesamtergebnis: 60,2 Punkte.
Marina Köhncke zeigte sich nach ihrem ersten Ritt in Badminton seit 1994 hoch zufrieden: "Ich bin besser vorbereitet als damals. Sie rennt, sie springt und dieses hier ist mein Ziel. Alles was dann noch kommt, ist zusätzlich."
Badminton, 22.4.2011 - Klaus Kurk / Bilder: Kit Houghton