20/08/2015

Bundestrainer Hans Melzer:
"Das Ziel heißt Titelverteidigung"


Interview mit Bundestrainer Hans Melzer

Aachen (fn-press). Für die deutschen Vielseitigkeitsreiter ging es in Aachen nur indirekt um Europameisterschaften: Im Anschluss an den Nationenpreis wurden die Fahrkarten zum Championat im britischen Blair Castle (10. bis 13. September) vergeben. FN-aktuell sprach mit Bundestrainer Hans Melzer über die Aussichten der deutschen Reiter.


FN-Aktuell: Nationenpreis in Aachen gewonnen, erster und zweiter Platz für Ingrid Klimke, vier weitere Reiter unter den Top Ten ­– wer sollte den deutschen Buschreitern bei der Europameisterschaft in Blair Castle „gefährlich“ werden können?

Hans Melzer: Wir wollen mal schön mit den Beinen auf dem Boden bleiben. Zuviel Selbstbewusstsein und Euphorie haben wir schon bitter bezahlen müssen. 2009 in Fontainebleau fühlten wir uns sehr siegessicher, und am Ende ist die ganze Mannschaft geplatzt. Aber es stimmt schon, wir schwimmen zurzeit auf einer Riesenwelle des Erfolgs. In Badminton, Luhmühlen und jetzt in Aachen waren wir sehr gut.


FN-Aktuell: Sie haben jetzt in Aachen das Team nominiert. Welche Faktoren bestimmten die Auswahl?

Hans Melzer: Nach dem CICO in Strzegom vor vier Wochen hätten wir uns mit der Nominierung schwerer getan, jetzt sehen wir klarer. Michael Jung wird mit Sam und Rocana Anfang September, am Bundeschampionats-Wochenende, in Burghley starten. Für die EM ist Takinou aufgrund seiner sehr guten Dressurergebnisse im Moment erste Wahl. Bei Ingrid wird es wohl Hale Bob werden. Bobby ist in der Form seines Lebens. Unsere Weltmeisterin Sandra Auffarth und Opgun Louvo haben sich nach ihrer kleineren Pause wieder in alter Frische präsentiert. Die übrigen Paare haben sich durch ihre konstanten Leistungen und insbesondere durch ihre Form in Aachen empfohlen. Zum Beispiel Dirk Schrade und Hop and Skip. Die beiden waren in diesem Jahr in jeder Prüfung null in der Zeit war und sind auch in der Dressur viel sicherer. Auch Barny von Peter Thomsen war in Aachen in Topform. Außerdem wissen wir, dass er sich vor jedem Championat nochmal richtig steigert. Nach langer Zeit wieder dabei ist auch Bettina Hoy mit Designer. Sie stand letztes Jahr schon auf der Reserveliste und hat ihre Position in diesem Jahr mit ihrem fünften Platz in Badminton nochmal verbessert.


FN-Aktuell: War nicht einmal die Rede davon, dass auch jüngere Paare die Chance auf eine EM-Teilnahme erhalten sollten?

Hans Melzer: Jüngere Reiter und Pferde, ja das ist richtig. Über die Pferde haben wir ja schon gesprochen. Was die Reiter betrifft, hatten unsere beiden Youngster – Niklas Bschorer und Claas Hermann Romeike – in Aachen leider ein bisschen Pech. Niklas wird jetzt in Burghley an den Start gehen, Claas in Pau. Das gilt übrigens auch für Andreas Dibowski, falls er nicht doch als erste Reserve mit zur Europameisterschaft kommt. Für die anderen beiden sind die Vier-Sterne-Prüfungen ein guter Weg, fürs nächste Jahr weiter im Gespräch zu bleiben.


FN-Aktuell: Was erwartet die Reiter in Blair Castle?

Hans Melzer: Im Gelände geht es einmal richtig hoch, dann bleibt der Kurs relativ eben. Es ist nicht so ein Bergauf-Bergab wie in London. Die Bodenverhältnisse werden hervorragend sein, das ist ein alter, natürlicher Parkboden, der viel Wasser abkann. Kein Vergleich zu dem Boden bei den Weltreiterspielen in Caen, der nach dem vielen Regen wie schwerer Pudding wirkte. In Blair werden seit 30 Jahren erfolgreich Turniere veranstaltet, entsprechend gut ist die Organisation aufs Championat vorbereitet.


FN-Aktuell: Wie anspruchsvoll wird der Geländekurs sein?

Hans Melzer: Es ist eine Drei-Sterne-Prüfung, aber die Anforderungen werden vermutlich im oberen Bereich angesiedelt sein. Ein Ponykurs wird das definitiv nicht. Unser Ziel ist natürlich die Titelverteidigung, aber wir haben mit den Briten und den Franzosen starke Konkurrenz.


FN-Aktuell: Wie geht es nun weiter? Wird es noch ein Trainingslager geben?

Hans Melzer: Ja, wir fahren am 2. September zusammen nach England, von Rotterdam aus mit der Fähre. Mit Ausnahme von Michael Jung, der ja in Burghley reitet, werden wir uns bei Chris Bartle einige Tage aufs Championat vorbereiten. Chris‘ Anlage ist ja so etwas wie die Außenstelle des DOKR (lacht).

Das Interview führte der Pressedienst der FN / FN-Press