31/08/2015

EM JUNGE REITER
Bronze für Christoph Wahler und Silber für das Team


Strzegom/POL (fn-press). Die deutschen Jungen Reiter haben bei den Vielseitigkeits-Europameisterschaften in Strzegom Mannschafts-Silber gewonnen, dazu gab es Einzel-Bronze für Christoph Wahler (Bad Bevensen) mit Green Mount Flight. Überragende Sieger waren die Briten, die nicht nur Teamgold, sondern auch Gold und Silber in der Einzelwertung mit nach Hause nehmen konnten. Dritte wurde die Mannschaft aus Irland.



das britische Goldteam: v.l.:
Will Furlong, Ella Hitchman, Emily King, Isabella Innes Ker


Freude, aber auch Enttäuschung lagen auch am letzten Tag der Europameisterschaften dicht beieinander. Die deutsche Mannschaft war nach dem Ausscheiden von Pauline Knorr (Hude) mit Abke’s Boy im Gelände nur noch zu dritt am Start, es zählte also jedes Ergebnis. Als erste Teamreiterin legte Lisa-Marie Förster (Ahlen) mit Columbo eine Nullrunde vor, beendete damit die EM mit ihrem Dressurergebnis von 49,3 Minuspunkten und rückte vom 15. auf den zehnten Platz in der Einzelwertung vor. Ihr folgten der bis dahin fünftplatzierte Christoph Wahler mit Green Mount Flight, dem dank einer Nullrunde der Sprung aufs Treppchen gelang. Das Nachsehen hatte nicht nur die Britin Emily King, sondern auch die letzte deutsche Teamreiterin, Flora Reemtsma (Groß Walmstorf). Gleich zweimal fielen bei ihr und Ikarosz die Stangen, so dass sie am Ende auf Platz neun in der Einzelwertung landete (48,6).



das deutsche Team mit Teamchef Hans Melzer:
v.l.: Flora Reemtsma, Pauline Knorr, Lisa-Marie Förster, Christoph Wahler


Anders als die 18-jährige Deutsche Meisterin, die sich erst im Laufe der Saison in die Altersklasse Junge Reiter hatte hochstufen lassen, war Strzegom für den 21-jährigen Christoph Wahler die letzte Chance auf eine Einzelmedaille als Nachwuchsreiter. Mit seinem Endergebnis von 42,5 Minuspunkten gab es für ihn die Bronzemedaille.



die Einzel-Medaillen-Gewinner v.l.:
Sophie Beaty, Will Furlong, Cristoph Wahler


Mit einer Nullrunde zum Schluss fand auch für die beiden deutschen Einzelreiterinnen einen positiven Abschluss. Marie Füntmann (Recklinghausen), tags zuvor noch etwas enttäuscht über ihre Zeitfehler im Gelände, machte fünf Plätze gut und wurde insgesamt Zwölfte (52,0). Marie-Sophie Arnold (Fürfeld), die mit Remember Me das Gelände trotz eines Vorbeiläufers beinahe innerhalb der erlaubten Zeit beendet hatte, beendete ihr EM-Debüt auf Platz 27 (64,6).

Neuer Europameister ist der Brite Will Furlong (Bild folgend), der mit seinem Holsteiner Livingstone im Springen ebenfalls fehlerfrei blieb und am Ende lediglich 34,7 Minuspunkte auf dem Konto hatte. Die Silbermedaille sicherte sich seine Landsfrau Sophie Beaty mit Stanly, die als Einzelreiterin startete (39,1).



EM auch Testlauf für 2017

Die Europameisterschaften der Jungen Reiter waren nicht das einzige Event in Strzegom in diesem Jahr. Insgesamt fünf Mal stand das niederschlesische „Striegau“ 2015 im Terminkalender. „Nur eine Veranstaltung pro Jahr, das rechnet sich einfach nicht. Die Kosten für Pflege und Instandhaltung der Anlage sind zu hoch“, erklärt Hausherr Marcin Konarski. Auf dem ehemals staatlichen Vollblutgestüt ganz in der Nähe geboren, wuchs der heute 40-Jährige mit Pferden auf, bestritt 18-jährig erstmals die internationale Drei-Sterne-Prüfung in Boekelo, war Polnischer Meister und stand drei Mal auf der Liste für die Olympischen Spiele. Zu einer Teilnahme kam es aber nie, zuletzt verhinderte eine Rückenverletzung seinen Start in Athen. Konarski zog sich vom aktiven Sport zurück und widmete sich dem Aufbau einer Reitanlage mit heute zwei Reithallen, Außenplätzen und Stallungen für 35 Pensions- und 30 Schulpferden. Bereits 2000 fand in Strzegom, genauer gesagt im Vorort Morawa, die erste nationale Vielseitigkeitsprüfung statt, drei Jahre das erste internationale Turnier.



Emily King/GBR unterwegs im weitläufigen Gelände-Areal


Vor zwei Jahren erwarb Konarski das gesamte Turnierareal inklusive einiger alter, jedoch ziemlich heruntergekommener Stall- und Gutshofsgebäude. Sein großer Traum ist es, alles wieder herzurichten, inklusive eines Hotels. Das allerdings bedarf auch finanzkräftiger Investoren. „Das kostet nicht Hunderte, sondern Millionen“, befürchtet er. Bereits in den 90ern instandgesetzt wurde das ehemalige Herrenhaus von Morawa, wofür sich die Töchter des ursprünglichen Eigentümers, Hans-Christoph von Wietersheim-Kramsta, Sieger des Hamburger Springderbys 1925, stark gemacht haben. Heute beherbergt es u.a. einen Kindergarten und dient als deutsch-polnische Begegnungsstätte. Im Rahmen der Vielseitigkeitsturniere wird seit einigen Jahren der Kreon-Preis für den besten Reiter vergeben, in Erinnerung an das Erfolgspferd von Hans-Christoph von Wietersheim-Kramsta. „Michael Jung hat schon eine ganze Sammlung davon“, sagt Konarski lachend. Der deutsche Multi-Champion Jung ist nur einer von vielen Stammgästen, die schon seit Jahren gerne nach Strzegom kommen.



Lisa Förster (deutsche Teamreiterin) im neuen Wasserkomplex


Inzwischen umfasst das Geländeareal rund 250 Geländehindernisse aller Art – für Anfänger bis zum Drei-Sterne-Reiter -, in diesem Jahr kam ein neues Wasserhindernis dazu. Außerdem wurde das Hauptstadion von Gras auf Sand umgestellt. Bis zu 15 Mitarbeiter halten die Anlage übers Jahr in Schuss. „Unser Juni-Turnier hat einen vergleichbaren Stellenwert wie Luhmühlen für Deutschland“, erklärt Konarski. Bisheriger Höhepunkt war die Ausrichtung des letzten Weltcup-Finales im Jahr 2009. Über 20.000 Besucher säumten damals die Geländestrecke hinter dem Turnierplatz. In zwei Jahren sollen es noch deutlich mehr werden – nicht eingerechnet diejenigen, die den Sport live im Fernsehen oder Internet verfolgen. Denn Marcin Konarski und sein Team haben den Zuschlag für die Ausrichtung der „großen“ Europameisterschaften 2017 erhalten. Das jetzige Championat der Jungen Reiter war dafür bereits ein gelungener Testlauf.

Bericht: Uta Helkenberg / FN-Press
Bilder: Martin Förster Fotografie und Leszek Wojcik / FEI

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